Peloponnes


Der erste Halt unserer Vierer-Reisegruppe ist der Kanal von Korinth. Er wurde 1893 fertiggestellt und ersparte den Seeleuten eine gefährliche Fahrt von 350 km um die Peloponnes. Periander von Korinth ließ 600 v. Chr. an dieser Stelle einen Schiffskarrenweg bauen, über den die Schiffe gezogen wurden. 67 n. Chr. befahl Kaiser Nero 6000 Sklaven, den Kanal zu graben. Er starb jedoch und seinen Nachfolgern wurde das Projekt zu teuer. Erst mit der Industrialisierung wurde es realisierbar.

Der Kanal schneidet sich 84 Meter tief ins Gelände ein, ist 6,4 km lang, hat eine Wassertiefe von 8 Metern und ist unten 24,5 Meter breit. Da moderne Frachtschiffe wesentlich größer sind, hat er fast nur noch touristische Bedeutung. Seit Januar 2021 ist er wegen eines Erdrutsches gesperrt.

Da die Tage sehr kurz sind, schauen wir uns frühzeitig nach einem Schlafplatz um. Fündig werden wir in Franchthi, Conny hat einen winzigen Parkplatz in einer Bucht entdeckt. Von hier führt ein schöner Küstenwanderweg zur Höhle von Franchthi. Die Felsbrocken sind teilweise zu hoch für unsere Hunddame Tuna. Sie ist immerhin schon 14 und darf sich dann auch mal tragen lassen 😍😍😍.

Die Höhle sieht erstmal ziemlich unspektakulär aus, beim Nachlesen erfahren wir dass sie von 38 000 - 4 000 v.Chr. bewohnt war! Das ist schon eine gewaltige Zeitspanne im Vergleich zu uns bekannten Städten und Siedlungen.

Die Abende verbringen wir, mittlerweile schon fast traditionell, mit spielen 🥰🥰🥰!

 

Das nächste Highlight sind die Dolinen von Didyma. Dolinen entstehen, wenn das tiefer liegende Gestein weich ist und sich auflöst oder weggespült wird. Dann können sich, wie hier, beim Einsturz große Krater bilden. Die Doline hier hat einen Durchmesser von über 100 Metern und ist ca. 30 Meter tief. Ein Gang wie eine Kellertreppe führt hinab. Zwei Kapellen befinden sich hier, eine ganz unten, die andere am Ende der "Kellertreppe".

Von Freunden, die auch hier in Griechenland sind, haben wir den Tipp erhalten, Nafplio zu besuchen. Die Stadt wird überragt von der Palamidi-Festung, die vom Hafen aus über eine Treppe mit 999 Stufen  zu erreichen ist. Der Blick von hier über die Stadt und das Hinterland ist fantastisch!

Nach dem Ende der osmanischen Herrschaft in Griechenland konnten die folgenden Staatsoberhäupter das Land nicht zufriedenstellend regieren. deshalb beschlossen die Achsenmächte Frankreich, Russland und England,  einen Regenten einzusetzen (der optimalerweise das tut, was ihm gesagt wird). Fündig wurden sie in dem damals 16-jährigen Otto von Bayern. Er wurde zum ersten  König von Griechenland gekrönt und bestimmte von 1829 - 1834 Nafplio als Hauptstadt. Später zog er nach Athen um. Er ließ alle Beamten, Polizisten und Soldaten aus Bayern "importieren", was seiner ohnehin stark belasteten Staatskasse letztlich das Genick brach. Es gab den Begriff "Bavarokratie", und nach Unruhen musste der König 1862 nach Bayern ins Exil fliehen, wo er auch starb.

Im Hafen von Nafplio liegt dieser High-Tec-Segler, die "Maltese Falcon". 2006 gebaut, wurde sie 2009 für 100 Mio $ verkauft. Sie hat 1500 qm mehr Segelfläche als die Gorch Fock und besitzt einen Fitnessraum, Kino und Weinkeller.

Es gibt Platz für 12 Passagiere und 16 Besatzungsmitglieder.

Das ganze Schiff kann gemietet werden, eine Woche 520 000$. 

Zu zwölft sind das nur 43 500$ für jeden 😅😅😅!

Vom Meer wieder in die Berge! In Leonidi stellen wir den LKW im Dorf ab und wandern los. Das Ziel ist das Bergkloster Moni Agiou Nikolaou Sintzas, das dort oben 1622 in einer Höhle unter einem Felsvorsprung erbaut wurde.

Ein einzige Nonne wohnt noch dort, doch leider ist sie nicht da. Vielleicht ist sie schon über den Winter ins Tal gezogen. So können wir das Kloster nur von außen betrachten und die Stille genießen.

Und wieder zurück ans Meer! In Monemvasia parken wir am Hafen mitten im Ort und gehen über einen Damm zum alten Teil der Stadt. Der ist gegliedert in die mittelalterliche Unterstadt und die teilweise wesentlich ältere Festung oben auf dem Felsen. Der Fels ist 194 Meter hoch und 1,8 Kilometer lang. Monemvasia war eine bedeutende Festung, um den Seeweg zwischen Konstantinopel und Venedig zu sichern und galt lange Zeit als uneinnehmbar. Ab dem 19. Jahrhundert verlor es zunehmend an Bedeutung bis schließlich 1971 nur 32 Menschen dort wohnten. 

Der Ort lebt fast ausschließlich vom Tourismus, reiche Athener haben hier ihre Sommer- und Wochenendresidenzen.

Wieder zurück am Hafen, gönnen wir uns Pizza auf der Hafenmauer😋😋😋!

Jacob begeistert uns mit veganem Tiramisu 👍👍👍

Mondschauspiel 🙏🙏🙏

Einige Eindrücke von unterwegs:

Am südlichsten Punkt dieser Halbinsel befindet sich ein Geopark, in dem versteinerte Bäume zu sehen sind. Die Versteinerungen der Baumstämme sind innen hohl und stehen auf einem vom Meer unterspülten Plateau. Bei Wellengang schießt das Wasser durch die Stämme nach oben, ein echtes Naturschauspiel!

Einige  hundert Meter weiter entdecken wir auf Google Maps ein Schiffswrack. In drei Meter Tiefe liegt die "Ismail Hakki", ein türkischer Frachter, der 1978 an dieser Stelle gesunken ist. Joshua, unser persönlicher Drohnenpilot, schickt das Fluggerät los und macht fantastische Aufnahmen!

https://youtu.be/xwnPiDyLfrM


https://youtu.be/x40xzlCAL8s


Von Wrack zu Wrack! In der Nähe von Gythio liegt die "Dimitrios" direkt am Strand. Im Dezember erkrankte der Kapitän des Schiffes, das damals  "Cornilia" hieß, und musste ins Krankenhaus, wahrend das Schiff im Hafen von Gythio lag. Im Juni 1981 lag das Schiff immer dort und die Hafenverwaltung beschloss, die "Cornilia" weiter raus aufs Meer zu schleppen und dort zu verankern, um Platz im Hafen zu bekommen. Das haben sie offensichtlich nicht so gut erledigt, denn das Schiff riss sich in einem sturm los und strandete. Seitdem liegt es dort und ist zu einem Anziehungspunkt für Touristen geworden. 

Auch hier lässt Joshua die Drohne wieder starten.

Abends bekommen wir Besuch von Benno. Er ist seit einem halben Jahr mit dem Motorrad unterwegs und ist jetzt auf dem Rückweg von der Türkei nach Österreich. Die letzten Tage waren für ihn nicht so angenehm, er hat nur ein Zelt und es gab viel Regen. Wir laden ihn zum Essen ein und spielen heute zu fünft.

 

https://youtu.be/zUcjtdehtyY

Die Zeit mit unseren Söhnen ist so schnell vergangen! Leider müssen wir sie übermorgen wieder in Athen absetzen. Die letzte gemeinsame Nacht verbringen wir wieder in der Nähe der Raffinerie bei den drei Strandhunden. 

Am Flugplatz stehen wir wieder im Parkverbot und verabschieden uns schweren Herzens  ❤🧡❤🧡❤!

 

Nun wieder zu zweit, fahren wir wieder in den Süden, denn an Silvester haben wir einen Termin!

Fernsehabend! Wir streamen den letzten James Bond und erkennen gleich zu Beginn die Stadt Matera in Italien, wo wir letztes Jahr waren.

Haarsträubend! Die Paletten stehen ungesichert auf der Ladefläche, dem Fahrer ist offensichtlich nicht wohl bei der Sache, Kurven nimmt er in Schrittgeschwindigkeit!

An Gythio vorbei fahren wir noch ungefähr 10 Kilometer, bevor wir nach Kamares abbiegen und einen schönen Strandplatz finden.

Hier treffen wir Bärbel und Rolf wieder, mit denen wir gemeinsam Silvester und die folgenden Tage verbringen.

Der Baum hat den Willen zum Überleben 👍👍👍

Bärbel und Rolf ziehen weiter und wir fahren nach einer Woche einen Strand weiter nach Vathi. Zwei weitere Wochen verbringen wir hier und bekommen nochmal Besuch. Sandra, Patrick und ihre Töchter gesellen sich eine Weile zu uns.

Vom Spazierengehen bringen wir fast immer Besuchshunde mit, alle sehr freundlich und unaufdringlich.

Zeugen der Brände im letzten Sommer 😥

In einem kleinen Laden in der Nähe kaufen wir selbst eingelegte Oliven. Die kleinen grünen Oliven wurden mit einem Stein "angeknackt" und dann mit Zitrone eingelegt. Megalecker 😋!

Daneben die riesigen Kalamata-Oliven, knackig und ein bisschen bitter!

 

Wir machen uns auf, den Rest der Halbinsel Mani zu erkunden. Wir nehmen die schmale Küstenstraße, die zum südlichsten Punkt des griechischen Festlandes  führt, dem Kap Tenaro.

Hier ist nicht nur der südlichste Punkt, sondern in der Nähe des Kaps liegt auch das Calypso-Tief, der tiefste Punkt des Mittelmeeres mit 5121 Metern.

Und noch mehr Interessantes: Bisher noch nicht geortet,  befindet sich in der Tiefe das Wrack der "Californian". Das ist das Schiff, das die "Titanic" 1912 vor Neufundland vor den Eisbergen gewarnt hat. Es wurde hier 1915 von einem deutschen U-Boot versenkt.

Auf dem Rückweg zum Parkplatz schauen wir uns noch die Reste eines römischen Bades mit Bodenmosaiken und das Totenorakel des Poseidon an.

Das Orakel war ursprünglich in einer kleinen Höhle unten am Strand, bevor der Tempel gebaut wurde. Dort konnte die Priesterin gegen eine Opfergabe zur Vergangenheit und der Zukunft befragt werden. Später war der Tempel christlich, das mit den Opfergaben scheint sich bis heute gehalten zu haben.

Von hier aus geht es nur nach Norden! An der Westküste fahren wir bis zum Kap Tigani und richten uns vor einem kleinen Friedhof für die nächste Woche ein. Tigani bedeutet auf Grund seiner eigentümlichen Form "Pfannenstiel" oder "Bratpfanne". Vorne am Kap sind die Reste einer byzantinischen Festung mit Basilika. Angeblich gab es hier 365 Trinkwasserzisternen, für jeden Tag des Jahres eine. Am "Stiel" der Pfanne wurde bis 1956 Salz durch Verdunsten gewonnen, viele der Trockenbecken sind noch intakt.

Über einen schmalen Weg an der Steilküste gelangt man zu einer kleinen, uralten Kirche, die von weitem fast nicht zu erkennen ist. Die Höhlen daneben verfügen über Zisternen und waren früher sicherlich von Mönchen bewohnt.

Die erste Mandelblüte dieses Jahr 😍😍😍

Eine geplatzte Wasserleitung ließ über Nacht diese Olivenbaum-Eisskulptur entstehen❄❄❄

Jetzt haben wir die Wahl: entweder weiter nach Nordwesten nach Kalamata oder wieder zurück in die Gegend von Gythio. In Kalamata haben wir von Bärbel die Adresse eines veganen Ladens bekommen, aber da wollen wir erst nächste Woche hin. Also fahren wir zurück nach Osten an den Strand von Kamares, wo wir schon eine Woche gestanden haben. Wir bekommen Besuch von Michaela und Heinz, gehen zusammen spazieren und genießen die Sonne. Einen neuen Nachbarn oder Nachbarin haben wir auch bekommen: einen Flamingo!

Doch jetzt ist der Westen der Peloponnes dran! Die Straße nach Kalamata führt zuerst an der Küste entlang, dann über ein Gebirge. In Kalamata gehen wir vegan einkaufen. Die Produktpalette dort ist zu ca. 75% deutsch, die Körbe sind die Einkaufstaschen 🤩🤩🤩.

So sieht Rosenkohl aus, wenn er nicht im Netz verpackt ist.

Wir schaffen es gerade noch raus aus Kalamata, dann beschließen wir, dass es wieder reicht mit fahren. An einem einsamen Strand vor einem aufgegebenen Campingplatz stehen wir wieder und erkunden zu Fuß die Umgebung. Ein Stückchen weiter nördlich stoßen wir auf eine ehemalige Hotel- und Urlaubsanlage mit Bungalows und Pool in den unterschiedlichsten Phasen des Verfalls. Und das alles in bester Lage, ein paar hundert Meter werden neue Anlagen gebaut, für uns unverständlich.

Ein Langhauber als Restaurationsobjekt gefällig? 😊😊😊

Die "schönste Bucht Griechenlands" ist unser nächstes Ziel. Alle, die wir getroffen haben, waren einer Meinung: Da müsst ihr unbedingt hin! Die "Ochsenaugenbucht" liegt ganz im Westen nahe der Stadt Pylos. 

Bei Pylos fand 1827 die Schlacht von Navarino statt, in deren Verlauf die Engländer, Franzosen und Russen die Flotte des osmanischen Reiches besiegten. An einem einzigen Nachmittag wurden dort mehr als 60 Schiffe versenkt und über 6000 Menschen fanden den Tod.

Diese Seeschlacht war die letzte, die ausschließlich mit Segelschiffen ausgetragen wurde, dann kamen Dampfschiffe zum Einsatz.

Das Töten wurde weiter perfektioniert 😢😢😢!

Und das ist sie, die schönste Bucht!

Zwischendurch ist Brotbacken und Hundebürsten dran 😍😍😍

In der Lagune hinter der Bucht stehen den ganzen Tag über unzählige Flamingos

Unser Fazit: schön, aber nicht umwerfend. Vor allem ist es viel zu überlaufen (für unser Empfinden zumindest). Es stehen dort Schilder mit Campingverbot, wenn wir nicht auf Empfehlung hier wären, hätten wir uns nicht hier hingestellt. Die Polizei fährt wohl regelmäßig vorbei und schickt die Leute weg, wir waren nur ein paar Tage hier und blieben verschont.

In Methoni besichtigen wir die venezianische Festung an der Südspitze der Halbinsel.

Dieser Hinweis ist Grund für einen Heiterkeitsausbruch ungeahnten Ausmaßes 😂😂😂

Östlich von Methoni verbringen wir einige Tage an einem langen Sandstrand. Dort lernen wir Pia und Trifon aus  Tripoli kennen, die in ihrem VW Bus T3 unterwegs sind. Wir unterhalten uns sehr gut und beschließen, die beiden demnächst zu besuchen.

Am 10.3. müssen wir wieder in Athen sein und wir sind uns einig, den Nordwesten der Peloponnes nicht im Schnelldurchlauf zu absolvieren, sondern uns das lieber auf irgendwann aufzuheben. Deshalb zieht es uns wieder zurück in die nähe von Gythio, genauer an den Strand von Vathi.

Wir nehmen uns die Route über die Berge nach Sparta vor.

Zuvor halten wir noch einmal bei "Just Vegan" in Kalamata. Conny hat per Email  Dinkel- und Roggenmehl, Chiasamen und Kürbiskerne bestellt, die wir jetzt abholen können. Ein Superservice, sehr freundlich und absolut empfehlenswert! Am Schluss bekommen wir noch ein großes Glas selbst eingelegte Oliven geschenkt😍😍😍!

Bei 3,70 Meter Fahrzeughöhe sollten 3,80 Meter eigentlich reichen! Trotzdem kriechen wir langsam durch 😎😎😎

Die Frühlingsboten werden immer deutlicher sichtbar!

Bei diesem Besuch sehen wir diesmal den Rest von Gythio auch 🤩🤩🤩!

Wir verabschieden uns von der Gemüsehändlerin und im Einkaufsladen und brechen auf nach Tripoli. Dort sind wir eingeladen von Pia und Trifon, die wir an einem Strandparkplatz kennen gelernt haben.

Tripoli liegt fast genau in der Mitte der Peloponnes und ist umgeben von Bergen. Am Nachmittag machen wir bei strahlendem Sonnenschein Pause und gehen mit den Hunden spazieren.

Der Himmel wird immer dunkler und es beginnt zu schneien 🥶🥶🥶!

Normalerweise ist Thomas übervorsichtig, was schlechte Wege und eventuelles Steckenbleiben angeht, doch diesmal waren sämtliche Alarmglocken aus. Leider!

Der Schnee hat den etwas wärmeren Boden sofort in tiefen, schmierigen Lehm verwandelt und dieser kleine Hügel wurde uns zum Verhängnis!

Trotz Sandblechen unter den Rädern kommen wir die zwei Meter nicht hinauf. Conny hat mittlerweile Trifon angerufen, um zu sagen, dass wir heute später oder gar nicht kommen können.

Trifon macht sich auf den Weg und organisiert Hilfe! Aus dem nächsten Dorf kommt ein lieber Mensch mit seinem Sohn auf dem Traktor und zieht uns auf festen Untergrund. Geld möchte er für die Bergungsaktion auf gar keinen Fall annehmen, so bleibt uns nur, uns ganz herzlich zu bedanken 😍😍😍!

Vielen lieben Dank natürlich auch an Trifon, der das alles wie selbstverständlich geregelt hat 🙏🙏🙏.

Es schneit den ganzen Abend weiter, aber schließlich kommen wir doch noch in Tripoli an. Wir werden super lecker bekocht und verbringen einen wunderschönen Abend mit Pia, Trifon und ihren Söhnen ❤❤❤.

Am nächsten Morgen spazieren wir durch die verschneite Landschaft.

Jetzt endet unsere Zeit auf der Peloponnes, wir fahren nach Athen!

Den Nordwesten der Halbinsel haben wir noch nicht gesehen, ebenso die Berge. Dann müssen wir eben nochmal herkommen😉!